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Quintessence (magazine)

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Quintessence (styled as QUINTESSENCE) is a special magazine created by five deutsch Condé Nast editor from Vogue, Glamour, myself, GQ and Architectural Digest (AD). It was released with the December 2013 issues of the five magazines and separately as an e-paper.

December 2013Edit

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"Ich bin nicht zufällig berühmt geworden"

Sie steht auf der "Forbes"-Liste der Bestverdiener unter 30 Jahren auf Platz 1. Sie hat 58 Millionen Facebook-Fans, die sie zärtlich Little Monsters nennt. Wer sie je unplugged singen und Klavier spielen hörte, hegt keinerlei Zweifel mehr daran, dass sie was kann...… dass sie VIEL kann. Ihre Auftritte sorgen überall für Furore, längst nicht mehr für angehobene Augenbrauen. Mit ihrem neuen Album "Artpop", das sie am 8. November veröffentlichte, will sie in eine neue Ära starten. GLAMOUR-Chefredakteurin Andrea Ketterer hat Stefani Germanotta, die wohl engagiertesten, risikofreudigsten Popkünstlerin unserer Tage, für das Magazin QUINTESSENCE zum Interview getroffen

Großer Auftritt Lady Gaga. Nein. Halt. Noch nicht. Es gibt Tee in der Suite 210 des altehrwürdigen "Langham"-Hotels in der Regent Street. Und, "We are so sorry", noch weitere zwei Stunden Wartezeit. Nicht tragisch. In 120 Minuten kann man in London schließlich eine Menge unternehmen. Spontan-Shoppen zum Beispiel, ganz in der Nähe im schönsten Designerkaufhaus der Welt, dem Liberty. Dafür gibt es ja auch einen guten Grund: meine steigende Nervosität nämlich und der leise Zweifel: "Habe ich eigentlich das Richtige an für ein Interview mit Lady Gaga?" Aber was heißt schon richtig, wenn man der Königin des kalkulierten Modeschocks begegnet? (Ich werde es übrigens nie erfahren. Lady Gaga ist mein neues Kenzo-Shirt mit den tausend Augen darauf völlig egal, sie wird es später mit keinem Wort erwähnen.) Also, pünktlich zurück in die Suite 210. Wie wird sie wohl aussehen? Imposant, dekoriert? Irgendeine Message wird sie haben. Ein Gesamtkunstwerk von Haarschmuck bis Schuhwerk. Das Oeuvre einer Heerschar von Stylisten. Von wegen: Zwischen Bodyguard mit Knopf im Ohr und dem britischen Pressechef spaziert ein junges Mädchen in den Raum – abgetragene, braune Boots, Jeans im Sarouel-Style und ein himbeerfarbenes, etwas zu kurz geratenes Top. Die dicken, dunkelblonden Haare nur ohrenlang, adrett gescheitelt. Verwirrung. Ist sie das? Oder ein freundliches Ding aus ihrer Entourage? Sie nimmt die Sonnenbrille ab - nur echte Wimpern und strahlende Augen -, winkt durch den Raum, kommt zu mir herüber, umarmt mich, nuschelt "Nice to meet you", nimmt ordentlich Platz im Sessel und...meine Warm-up-Frage zum Konzert am Abend davor beim iTunes Festival ist überflüssig geworden. Wir brauchen keinen Teaser, Pleaser. Wir sind schon mittendrin. Sie ist es wirklich.

Andrea Ketterer: Man sieht Sie zunehmend ohne Lippenstift, Perücke und sonstige verrückte Veränderungen, etwa Trapeze auf der Haut. Warum?

Lady Gaga: Ich liebe Make-up seit meiner Kindheit. Und ich habe es jeden Tag auch für meine Selbstinszenierung zur Popikone eingesetzt. Jetzt aber will ich es nicht mehr. Ich befinde mich mitten in einem Prozess künstlerischer Veränderung. Ich komme meinem Verständnis von Popkultur immer näher, und dazu brauche ich meinen Körper, seine Muskelkraft und den Ausdruck meines Gesichts - und keine künstlichen Ausdrucksformen mehr.

Andrea Ketterer: Was ist passiert?

Lady Gaga: Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich ein Partygirl bin, das zufällig in die richtige Szene geraten ist. Ich habe seit meiner Kindheit hart an meinen Talenten gearbeitet. Und jetzt lerne ich zudem unglaublich faszinierende Menschen kennen, die mich inspirieren. Die mir viele Dinge abverlangen. Und ich will das alles lernen. Zum Beispiel die Perfektion von Theatermacher Robert Wilson. Er ist der einflussreichste Regisseur aus den 70er-Jahren, und ich verehre ihn schon seit meiner Jugend. Und er, ausgerechnet er hat für mich diese Papierblumenbühne für die MTV Awards gestaltet!

Andrea Ketterer: Wer gehört noch in Ihren Inspirationspool?

Lady Gaga: Das Fotografenteam Inez & Vinoodh. Die beiden haben all meine "Artpop"-Kampagnen inszeniert und auch das Video zur ersten Single-Auskoppelung "Applause" gedreht. Ihre Fantasie ist atemberaubend! Es wäre völlig untertrieben zu behaupten, dass es großartig ist, mit diesen Leuten zu arbeiten. Sie alle sind ein Geschenk. Marina Abramović gehört auch dazu. Sie ist – und das ist wohl gesetzt – die interessanteste Performance- Künstlerin unserer Zeit. Ich könnte ihr stundenlang zu Füßen liegen und ihr zuhören, wenn sie über Kunst spricht. Sie ist die pure Freude, die pure Liebe, sie hat eine kindliche Begeisterung, wenn sie Kunst macht.

Andrea Ketterer: Sie haben dafür neulich auf einem Stein im Wald gesessen. Nackt...

Lady Gaga: Ja, das klingt vielleicht ein wenig merkwürdig – aber das war ein Performance-Training. Ernsthaft. Es war überhaupt nicht für die Öffentlichkeit auf YouTube bestimmt. Wir planen da gerade etwas Neues, sehr, sehr Aufregendes.

Wir sitzen uns gegenüber mit circa 50 Zentimeter Abstand, Lady Gaga ist hoch konzentriert, ich sehe in ihre großen, graugrünen Augen, unverwandt, sie hat wunderbar zarte Haut, Sommersprossen blitzen durch, blendend weiße Zähne, sie wirkt fast zerbrechlich und doch auf eine stolze Weise aufrecht: unverrückbar.

Andrea Ketterer: Nacktheit ist ja ein großer Teil Ihrer Kommunikation geworden. Fühlen Sie sich dabei niemals unsicher?

Lady Gaga: Niemals unsicher? Immer! Allein das Starsein hat Formen, die ich unangenehm finde, weil ich zum Beispiel oft nicht mehr als Mensch wahrgenommen werde. Wenn ich als Mensch ernst genommen werde, dann fühle ich mich sicher. Egal, ob nackt oder nicht. Wenn ich nicht mögen würde, was ich mache, dann wäre ich unsicher - nackt oder angezogen.

Andrea Ketterer: Das hat Madonna auch gesagt in den 80ern...

Lady Gaga: Aber zwischen Madonnas Message und meiner besteht ein sehr großer Unterschied! Madonna beschwor die sexuelle Befreiung der Frauen, das war auch wichtig in dieser Zeit. Meine Nacktheit hat nichts mit Sex zu tun, sondern ist mein künstlerischer Ausdruck. Es ist menschliche Freiheit. Keine Kontrolle, keine Schlingen, keine Ketten. Ich bin keine sexuelle Person, wenn ich nackt bin. Das ist ein Wendepunkt für mich. Das bin ich! Und ich habe lange daran gearbeitet, so frei und künstlerisch zu sein.

Andrea Ketterer: Gibt es Menschen in Ihrem nahen Umfeld, die Stopp sagen, weil Sie für deren Geschmack zu weit gehen?

Lady Gaga: Nein, ich weiß, wo meine Grenzen sind, besser als jeder andere. Ich vertraue meinem Instinkt.

Andrea Ketterer: Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Ihre Kinder das alles irgendwann sehen werden? Haben Sie Angst vor deren Fragen?

Lady Gaga: Natürlich beschäftige ich mich damit, nicht alles ist leicht zu verstehen in meinen Videos und Auftritten. All mein Tun ist ein einziger Befreiungsschlag, ich habe so viele entwürdigende Momente in meinem Leben erlebt, ich habe als Kind sehr darunter gelitten, immer ein Außenseiter zu sein, ich war wie in einer Kapsel. Langsam befreie ich mich aus ihr.

Die Tür geht auf, ein freundlicher Herr mit dickem Bauch trägt ein Tablett mit einer Kanne Tee herein. "Oh Daddy, how nice! Thank you! Say hi, Joe, this is a lady from Germany!" Sie küsst ihn, er freut sich, sagt grinsend "hi" und verschwindet wieder. Das also ist der Mann, den Lady Gaga "my hero" nennt, mit dem sie ihr Einkommen 50/50 teilt, weil er "mich immer unterstützt hat, er immer an mich geglaubt hat". Und schon ist sie wieder dran an der vorangegangenen Frage, hat den Faden nicht verloren.

Lady Gaga: ...und das ist auch die Message, die ich meinen Kindern – und meinen Fans – geben würde.

Andrea Ketterer: Nämlich?

Du hast Talent, es ist das Gold in deinen Händen. Ich möchte alle ermutigen, darauf zu vertrauen, es auszubauen, nicht zu zweifeln, das ist das Wichtigste. Du musst keine Angst davor haben, nicht akzeptiert zu werden. Gerade das Eigenwillige, die Nischen sind wichtig, ein special talent wird immer erfolgreich sein. Wenn wir das Negative aus dem Pop nehmen, wird es erfolgreich. Das habe ich von Jeff Koons gelernt – und der ist Popkultur!

Andrea Ketterer: Und Sie etwa nicht?

Lady Gaga: Ich arbeite daran.

Editorial by Andrea Ketterer, photography by Inez and Vinoodh

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